Eine kurze Geschichte des Ortes

Über Unterbruch

Die erste Kunde über Unterbruch erhalten wir, als am 17. Januar 1296 Gottfried von Schafhausen und seine Ehefrau Maria ihren Hof Horst an der Rur (Horsterhof in Unterbruch) an den Propst und den Konvent des Prämonstratänserklosters Heinsberg verkauften. Vom Verkauf ausdrücklich ausgenommen waren seine Dienstmannen Iwan von Rom und Arnold Fridach, die den Horsterhof anscheinend bewirtschaftet hatten. Der Horsterhof war also schon älter als seine bekannte erstmalige Erwähnung; er gehörte früher zum Fronhof Lunebuc im heutigen Lümbach und scheint in der späten Karolingerzeit (751 - 911) begründet worden zu sein. Dietrich von Heinsberg befreite dann 1299 die Stiftsgüter in Unterbruch, zu denen jetzt auch der Horsterhof gehörte, von allen Lasten und Abgaben (Lehndienst) gegen einen Erbzins von sieben Schillingen jährlich. Damit findet der Name Unterbruch seine erste Erwähnung.

Im Stift zum Hl. Geist in Roermond starb am 18. Februar 1361 der Stiftsherr Johann de Broich (Bruycke), genannt de Hynsberch. In demselben Stift starb am 12. Januar 1362 Henricus de Broick, ein weiterer Stiftsherr (Kanonikus) aus Unterbruch. Seit 1481 war Henricus ex Palude (Heinrich von Unterbruch) Dechant des Dekanates Süsteren im Bistum Lüttich, er starb am 24 März 1515 und wurde im Dom zu Lüttich begraben.

Anfang des 15. Jahrhunderts war Dreis von der Rueren Besitzer des (alten) Rurhofs und 1481 Merten von der Rueren. Um 1500 ist der Hof Rolland im Besitz der Herren von Hückelhoven in Roermond. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts besaß Johann von der Rueren den (alten) Rurhof. Der Vollmüller zu Unterbruch hatte 1530 das Privileg der freien Schweinemast im Hülhover Busch. 1570 gehörte Unterbruch zum Dingstuhl Karken-Kempen, 1599 das Lehnsgut Asterdank mit Ländereien in Genorth (Genoth) zur Dingbank Kempen.

Noch 1609 besaßen die Höfe Rolland und Rur das Erbbegräbnisrecht in der Pfarrkirche zu Orsbeck. Die Vollmühle übte 1651 das Mahlrecht (Bannrecht) im Stadtbezirk Heinsberg aus. 1661 war Nikolaus von Horrich zu Rollanderhof Erbpächter dieser Vollmühle.

Am 17. Mai 1690 wurde der Bau einer Kapelle genehmigt, die Genehmigung wurde am 11. Oktober 1715 erneuert, weil wegen Mittelknappheit mit dem Bau noch nicht begonnen war. Der Teilerlös von 45 Reichstalern aus dem Verkauf des Fährguts Unterbruch im Jahre 1719 wurde für die Fertigstellung der Kapelle verwendet. Am 23. September 1721 genehmigte dann Churfürst Josef Clemens, Erzbischof von Köln, Bischof von Hildesheim als hier zuständiger Bischof von Lüttich die Anstellung eines Geistlichen. Die Unterbrucher verpflichteten sich, dem vorgesehenen Kleriker jährlich 12 Reichstaler für Schreiblohn, Hausfeuer und Brand (Heizmaterial) in der Stube als Schulmeister zu zahlen. Der neue Bischof von Lüttich, Georg Ludwig, bewilligte am 26. November 1724 das Messelesen in der dem Hl. Josef geweihten Kapelle auf drei Jahre; die erste Messe konnte aber erst im Herbst 1726 gefeiert werden.

Das "freiadlige" Haus und Gut zu Ruhren im Unterbroich, Amt Heinsberg, ging am 28. Januar 1730 von Freifrau Anna Gertrud von Blank an Vikar Werner Ferris aus Prummern über und damit in bürgerliche Hand. 1764 wirkten in Unterbruch Johann Peter Plum als Priester und Sybert Kochs als Magister. Johannes Palmen aus Unterbruch wurde 1765 in die St.- Katharina-Schützenbruderschaft Kempen aufgenommen. Er schied 1791 satzungsgemäß wieder aus, weil er seinen Mitgliedsanteil von 1 alten Schilling für das "newe fändlein" nicht zahlen wollte. Ab 1773 fand an Sonn- und Feiertagen Katechismus-Unterricht statt und am 6. Mai 1776 wurde die Genehmigung zum Messelesen "auf ewig" erteilt. 1790 ist Unterbruch selbständige Gemeinde. Bei dem Übergang der französischen Revolutionsarmee über die Rur an der Schanz am 2. Oktober 1794 befanden sich französische Artilleriestellungen auf dem Gelände der heutigen Kirche.

Durch die Säkularisation gingen der Horsterhof mit 120 Morgen und die Horsterhaag, eine Waldung von 30 Morgen, in Staatseigentum über und kamen zum Verkauf. Die gemeindeeigenen früheren landesherrlichen Mühlen an der Wurm sind 1821 zur Tilgung der Gemeindeschulden verkauft worden; sie waren 1823 Öl-, Mahl- und Papiermühlen. Die Josefskapelle erscheint 1826 als der Muttergottes geweiht. In der bereits für verschiedene Mühlenzwecke verwendeten Vollmühle war 1830 eine mechanische Flachsspinnerei untergebracht. Die Forstparzellen Hackerbusch und Horsterhaag wurden am 1. Juni 1831 von dem Königlichen Landrath zu Heinsberg verkauft. Als Rurübergang nach Orsbeck diente 1831 eine Fähre. 1815 begann der Ausbau der Kieschaussee zwischen Heinsberg und Wassenberg. An dieser Straße entstanden 1832 die Rurbrücke nach Orsbeck und 1835 der (neue) heutige Rurhof.

Kartenaufnahme der Rheinlande  durch Tranchot u. von Müffling 1803 - 1820

Die 1848 errichtete Schule mit einem nach Westen liegenden Schulraum und einer nach Osten liegenden Lehrerwohnung wurde 1870 aufgestockt und erweitert. 1850 bestand in Unterbruch eine bedeutende Papierfabrik. 1855 legte die Zivilgemeinde auf bei 700 Katholiken einen Kirchbaufond. Das alte Schulhaus, das nach Errichten das neuen Schulhauses 1855 zunächst als Pfarrhaus vorgesehen war, wurde 1858 verkauft. Am 30. März 1859 wurde die Kapelle für baulos (baufällig) erklärt und am 8. August 1861 nach Instandsetzung wieder freigegeben. Am 19. Dezember 1866 kaufte die Zivilgemeinde einen Bauplatz für die Kirche und einen Garten für den Lehrer. Nach der Grundsteinlegung am 17. Oktober 1869 wurde die Kirche am 29. Oktober 1871 vorläufig benediziert; sie enthielt als Einrichtung nur den Hauptaltar und die Kommunionbank. Die Zivilgemeinde hatte das am 22. Mai 1887 eingesegnete Vicariehaus bereits im Rohbau fertiggestellt, bevor die erzbischöfliche Genehmigung für die Errichtung vorlag. 1887 war die dritte Schulklasse eingerichtet worden.

 Preußische Kartenaufnahme 1:25000

Schon 1901/1902 musste das Schulgebäude wiederum erweitert werden und die vierte Schulklasse folgte. Ein zusätzliches Schulgebäude wurde 1906 errichtet. 1911 waren drei gemischte Schulklassen mit nunmehr 220 Schulkindern vorhanden. 1914 wurde der Ort an die elektrische Stromversorgung angeschlossen und eine Postagentur eingerichtet. 1918 erhielt die Rektorats-Pfarre einen Kaplan. Die Geldentwertung nach dem 1. Weltkrieg führte dazu, dass im Herbst 1923 Kirchenchormitglieder im Wassenberger Wald Baumwurzeln zum Beheizen des Probenlokals rodeten.

1939, zu Beginn des 2. Weltkriegs, waren 1.371 Einwohner vorhanden. In der Nacht zum 1. Mai 1940 fiel im Ortsteil Vongelaak die erste (englische) Fliegerbombe dieses Krieges im Zusammenhang mit dem Westfeldzug. Kriegsbedingt wurde die Bevölkerung beim Heranrücken der Front am 14. September 1944 zwangsevakuiert. Nachdem im Januar 1945 auch die letzten für notwendige Aufgaben zurückgebliebenen Einwohner ihre Heimat verlassen mussten, wurde am 23. Januar 1945 die Rurbrücke nach Orsbeck gesprengt. Zwischen dem 20. und 28. Januar 1945 wurde der Ort dann von alliierten Truppen besetzt.

Nach dem weiteren Vormarsch der alliierten Truppen kamen schon im März 1945 die ersten Evakuierten auf eigene Veranlassung in den Ort zurück. Es folgten Jahre der mühevollen Aufräumung und des Wiederaufbaues. Nach Zuzug von Kriegsflüchtlingen wurde 1958 eine Einwohnerzahl von 1730 erreicht. Für die am 3. Oktober 1959 eingeweihte Turnhalle war am 27. April 1959 der Grundstein gelegt worden und für den am 15. August 1960 eingeweihten Pfarrkindergarten am 28. März 1960. Nach der Grundsteinlegung für die fünfklassige Grundschule am 5. November 1960 folgte am 28. Januar 1962 deren Einweihung. Für die Erweiterung der Kirche war der erste Spatenstich am 06. August 1961, die Grundsteinlegung am 1. Oktober 1961 und die Einweihung am 27. Oktober 1962. Für den Erweiterungsbau der Kirche wurden die 1848 und 1906 errichteten, überflüssig gewordenen und nicht mehr verwendbaren Schulgebäude abgebrochen. Im Rahmen der so genannten kleinen kommunalen Neugliederung kam Unterbruch am 1. Juli 1969 mit einer nunmehrigen Einwohnerzahl von 2.048 wieder in den Verband der Stadtgemeinde Heinsberg.

Zum 1. Januar 2003 zählten bereits 2.340 Einwohner zur Bevölkerung der ehemals selbstständigen Gemeinde Unterbruch.

 

Noch mehr Geschichte . . .

Im "Festbuch 2005" der St. Bernhardus Schützenbruderschaft Unterbruch 1912 e. V. ist wohl die bisher ausführlichste Chronik des Ortes enthalten (Dank an Hans Bürschgens und alle Beteiligten). Daher am besten sofort dorthin. HIER IST DER LINK!

Zusätzliche Informationen